Gautschen
Der Begriff «Gautschen»
Das sogenannte Gautschen ist ein alter, bis in das 16. Jahrhundert rückverfolgbarer Buchdruckerbrauch, bei dem ein Lehrling nach bestandener Abschlussprüfung im Rahmen einer Freisprechungszeremonie in einem Behältniss mit Wasser untergetaucht wird.
In seiner ursprünglichen Bedeutung bezeichnet der Begriff «Gautschen» den ersten Entwässerungsschritt nach dem Schöpfen des Papiers, das Ablegen des frisch geschöpften Papierbogens vom Sieb auf eine Filzunterlage.
Der Ablauf
Während des Gautschens hält der Gautschmeister eine launige Ansprache an den Jünger und das umstehende Publikum:
«Packt an! Lasst seinen Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm, bis triefen beide Ballen. Der durstigen Seele gebt ein Sturtzbad oben drauf, das ist dem Sohne Gutenbergs die Beste Tauf»
Auf den Ruf des Gautschmeisters «Packt an!» wird der Jünger gefasst und auf einen nassen Schwamm gesetzt. Es muss dafür gesorgt werden, dass das Hinterteil gehörig angefeuchtet wird. Nun wird er von oben herab begossen, sodass der Jünger am ganzen Körper pudelnass wird. Zu guter Letzt wird der Jünger in eine mit Wasser gefüllte Wanne gesetzt.
Bei manchen Druckereien wird zur Taufe ein in der Nähe des Betriebes liegender Brunnen herangezogen.
Die Beteiligten
Zu einem Gautschakt gehören neben dem Gäutschling der Gautschmeister, der erste und zweite Packer so wie der Schwammhalter. Meist gibt es noch eine unterschiedliche Zahl an Zeugen oder mehrere Packer, die auch auf dem Ga
utschbrief ihre Anwesenheit durch Unterschrift bekunden.
Der Gautschbrief
Wir Jünger Gutenbergs aus helvetischen Landen tun hiermit jedermänniglich unserer hochweisen Kunstgenossen kund und zu wissen, dass der ehrsame Jünger unserer hochedlen Buchdruckerkunst
Hans Muster
nach altem
Brauch und Herkommen die Wassertauf «ad posteriorum» erhalten hat und damit in alle uns von Kaiser Friedrich III. verliehenen Rechte und Privilegien eingesetzt wurde. Kraft derselben gebieten wir allen Kunstgenossen, diesen Jünger Gutenbergs als echten Schwarzkünstler aufzunehmen.
Gautschätä von Tamara Mathis und Lukas Niederberger
